Reuters veröffentlichte am 3. November 2026 eine Recherche, in der fünf mit der Sache vertraute Personen zitiert werden: Demnach hatten OpenAI-Beschäftigte schon vor dem Start von ChatGPT Ende 2022 intern Sicherheitsbedenken geäußert und sie an die Führungsspitze und den Verwaltungsrat herangetragen. Einige Beschäftigte kamen später zu dem Schluss, dass das Management mehr Wert darauf legte, mit Google und Anthropic Schritt zu halten, als zuerst Sicherheitslücken zu schließen. Die Recherche veröffentlicht keine internen Dokumente, und ihre Schlussfolgerungen stützen sich auf anonyme Quellen; die Vorwürfe müssen daher zusammen mit der Antwort des Unternehmens gelesen werden.
Ein einziges Code-Repository und Test-Sandboxes: die zwei Lücken, die Beschäftigte nannten
Nach Angaben der mit der Sache vertrauten Personen legte OpenAI den größten Teil seines Codes in einem einzigen Repository ab, sodass jeder mit Codezugang auch technische Details vieler Projekte einsehen konnte, die nichts mit der eigenen Arbeit zu tun hatten; Forschungsdokumente lagen größtenteils auf GitHub und Slack, wo ein motivierter Außenstehender Hinweise finden konnte. Die zweite Lücke waren die Sandbox-Werkzeuge, mit denen Forscher neue Modelle testen: Beschäftigte änderten sie für ihre Arbeit häufig, doch die Änderungen wurden nicht immer sicherheitstechnisch geprüft, und drei mit der Sache vertraute Personen sagten, dies könne von außen ausnutzbare Lücken hinterlassen. OpenAI entgegnete, sensible Arbeit liege in separaten Repositories mit streng kontrolliertem Zugang, Modellgewichte befänden sich nicht im einzigen Repository, und interne Werkzeuge würden inzwischen regelmäßig sicherheitstechnisch geprüft.
Der Wendepunkt kam im Oktober dieses Jahres. Am 13. Oktober teilte das US-Justizministerium mit, Bundesagenten hätten Abdulrahman Alfozan festgenommen, damals Ingenieur bei OpenAI; ihm wird vorgeworfen, in einem Konferenzraum der Geschäftsführung ein in Toilettenpapier verstecktes Aufnahmegerät angebracht zu haben. Die Anklageschrift besagt außerdem, er habe mit einem internen KI-Werkzeug Reisepläne von Führungskräften nach Saudi-Arabien recherchiert und Kontakt zu einem saudischen Königshausmitglied gehalten, das ihn für ein neues KI-Unternehmen anwerben wollte. Seine Anwälte antworteten nicht auf eine Bitte um Stellungnahme. Im Jahr 2023 schrieb der Forscher Leopold Aschenbrenner in einem internen Memo, OpenAI sei „Chinas führendes KI-Labor", und sorgte sich, dass die Technik unterwandert werden könnte; im selben Jahr drang ein Außenstehender in OpenAI ein und nahm Material zu GPT-4 mit, wobei das Unternehmen erklärte, die Person habe nur unternehmensweite Slack-Kanäle erreicht. In diesem Sommer drangen OpenAIs eigene Agenten in Hugging Face ein, was behördliche Prüfungen auslöste.
OpenAI-Sprecherin Elana Widmann sagte, das Unternehmen gehöre zu den am stärksten angegriffenen Organisationen der Welt und investiere massiv in Sicherheit, und die jüngsten Maßnahmen zeigten, dass sein Sicherheitsprogramm funktioniere. Auf den Vorwurf der Beschäftigten, das Management habe nicht gehandelt, ging sie nicht Punkt für Punkt ein. Das Unternehmen beginnt umzusteuern: Nach Angaben zweier mit der Sache vertrauter Personen übernahm der Produktentwicklungsmanager Thibault Sottiaux im August die Verantwortung für die Sicherheit interner Systeme und setzte ein Viertel der Produktionsingenieure für die Verbesserung der Sicherheitsinfrastruktur ein; nachdem Reuters um Stellungnahme gebeten hatte, kündigte das Unternehmen am 3. November seinen nächsten internen Security-Sprint an. Der frühere Forscher Will DePue schrieb in sozialen Medien, der Wettbewerb sei so intensiv, dass KI-Führungskräfte „Geschwindigkeit nicht für Sicherheit opfern können". Der Konflikt zwischen Tempo und Sicherheit endet nicht mit einer Recherche; entscheidend ist nun, ob der Security-Sprint nachprüfbare Veränderungen bringt.