Das britische National Cyber Security Centre (NCSC) hat am 3. November 2026 seinen Bericht „State of the Cyber Nation“ veröffentlicht und gewarnt, dass die kritische nationale Infrastruktur des Landes sich auf einen Ransomware-Angriff mit KI-gestützter Malware einstellen sollte, den das NCSC bis 2028 für „sehr wahrscheinlich“ hält. Richard Horne, Chef des zum GCHQ gehörenden NCSC, sagte in der Rede zur Vorstellung des Berichts, Großbritannien stehe in den kommenden Monaten vor der realen Aussicht auf einen beispiellosen Anstieg von Cybervorfällen.
Alte Schwachstellen, durch KI verstärkt – keine neuen Waffen
Der Bericht geht davon aus, dass der Einsatz von KI durch feindliche Akteure in den nächsten zwei Jahren Umfang und Effizienz ihrer Operationen erhöhen wird – bei Ransomware, Social Engineering und der Ausnutzung von Schwachstellen. Hornes Einschätzung lautet, dass KI keine neuen Angriffsmethoden erfunden habe; das eigentliche Problem seien zu lange tolerierte Schwachstellen, die nun in einem einst unvorstellbaren Ausmaß entdeckt und ausgenutzt werden könnten. Er nannte auch staatliche Akteure: Die Bewertung sieht China bei Absicht und Fähigkeit ganz vorn, Russland unternehme anhaltende Versuche, in britische Militärnetzwerke einzudringen, und der Iran führe weltweit bösartige Cyberoperationen durch. Moskau, Peking und Teheran haben solche Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen.
Die britische Antwortliste: Geld, ein Zentrum und ein Gesetz
Das NCSC fordert Organisationen zum sofortigen Handeln auf – dazu gehören das Schließen von Investitionslücken in der Technik, der Verzicht darauf, unnötige Technik mit dem Internet zu verbinden, und Cyber Essentials als Ausgangspunkt der Cybersicherheit zu behandeln, nicht als Endziel. Die Maßnahmen der Regierung liegen bereits vor: Vergangene Woche wurden 60 Millionen Pfund für die erste Phase eines nationalen Cyber Shield, 70 Millionen Pfund für ein neues National Exposure and Real-Time Vulnerability Centre sowie ein von dem NCSC betriebenes KI-Cybersicherheits-Exzellenzzentrum in Manchester angekündigt; parallel dazu wird das Gesetz zur Cybersicherheit und Resilienz vorangetrieben, und ein Nationaler Cyber-Aktionsplan soll folgen.
Diese Warnung ist eine vorausschauende Bewertung mit Blick auf 2028, keine Feststellung, dass ein Angriff bereits stattgefunden hätte. Ihr Gewicht liegt in dem konkreten Zeitplan: Binnen zwei Jahren wird KI-gestützte Malware „sehr wahrscheinlich“ in einem Ransomware-Angriff auf kritische Infrastruktur eine Rolle spielen. Entscheidend ist nun, ob britische Organisationen in dem von Horne beschriebenen „Moment der Entscheidung“ tatsächlich mehr investieren – oder Sicherheit weiterhin als nachträgliche Maßnahme behandeln.