Die New York Times hat Brave am 2. November vor einem Bundesgericht in Manhattan verklagt und wirft dem Browser-Unternehmen vor, ihre urheberrechtlich geschützten Inhalte abgeschöpft, einen Index mit mehr als 30 Milliarden Seiten aufgebaut und KI-Unternehmen Zugang zu Echtzeitinhalten verkauft zu haben. Am selben Tag reichten die Betreiber der New York Daily News, der Chicago Tribune und des Orlando Sentinel eine ähnliche Klage ein. Beide Verfahren sind bislang nur die Behauptungen der Kläger; ein Gericht hat noch nicht entschieden, und Brave reagierte damals nicht sofort auf eine Bitte um Stellungnahme.
Die Klagen konzentrieren sich auf drei Punkte. Erstens Indexierung und Verbreitung: Brave soll seinen Index mit einem nicht identifizierten Crawler aufgebaut haben, den Verlage weder erkennen noch blockieren können, und Indexinhalte dann gegen Gebühr an KI-Unternehmen geliefert haben, um Modelle zu trainieren oder Nutzerfragen zu beantworten. Zu den in der Klage genannten Kunden gehören Anthropic, Perplexity, Mistral, xAI und Cohere, die in diesem Verfahren keine Beklagten sind. Zweitens die Umgehung von Paywalls: Der Brave-Browser soll eine Standardeinstellung namens Paywall blocker anbieten, mit der Nutzer geschützte Inhalte ohne Anmeldung lesen können. Drittens Werbung: Brave soll Anzeigen der Verlage standardmäßig blockieren und gleichzeitig eigene Anzeigen verkaufen. In ihrer Klage vergleicht die New York Times Brave mit einem „Hehler", der Inhalte stiehlt und weiterverkauft, und fordert eine einstweilige Verfügung sowie Schadensersatz, während Perplexity die Klage öffentlich zurückwies.
Wie sich dieser Fall entwickelt, hängt davon ab, wie das Gericht die Verbreitung des Index einordnet: ob es sich um einen gewöhnlichen Suchmaschinenindex handelt oder um ein Datenprodukt, das an KI-Unternehmen verkauft wird. Die Verlage haben OpenAI und Perplexity bereits wegen ähnlicher Fragen verklagt; indem sie diesmal auf den Browser- und Indexbetreiber zielen, der angeblich in der Mitte steht, rücken sie auch die Frage, wer Inhalte verbreitet, ins Zentrum des Urheberrechtsstreits. Für gewöhnliche Leser wird der Fall das Surferlebnis nicht sofort verändern, und in der Berichterstattung ist kein Hinweis darauf verzeichnet, dass Brave deshalb seinen Index oder damit verbundene Funktionen geändert hätte. Wirklich beobachtenswert ist, ob das Gericht von Indexbetreibern verlangt, ihre Crawler identifizierbar und blockierbar zu machen, und ob die Datenquellen der KI-Unternehmen infolgedessen ihren Kurs ändern müssen.