Microsoft steigt aus dem Rechenzentrumsprojekt von Nscale in Loughton, Essex, aus – der Platz des Ankermieters wird frei. Der Telegraph berichtete am 18. Oktober 2026, Microsoft habe Nscale kürzlich mitgeteilt, die im vergangenen Jahr angekündigte Vereinbarung zu beenden; Bloomberg zog noch am selben Tag mit derselben Meldung nach. Nach dem ursprünglichen Plan wollte Microsoft am Standort 23.000 Nvidia-KI-Chips mieten, Loughton sollte Nscales erstes britisches Rechenzentrum werden und 2027 in Betrieb gehen.
Gestoppt hat das Projekt nicht der Chipmangel, sondern die Warteschlange am Stromnetz
Der unmittelbare Hintergrund der Kündigung ist der Strom. Der Verteilnetzbetreiber UK Power Networks hat dem Projekt in Loughton mitgeteilt, dass ausreichend Netzstrom erst Anfang bis Mitte der 2030er Jahre verfügbar sein wird – mehr als sechs Jahre nach dem geplanten Start. Nscale bezeichnete das Problem in seiner Stellungnahme als ein London-weites Netzproblem, erklärte, andere Verträge seien nicht betroffen und die Beziehung zu Microsoft bleibe stark und langfristig; Microsoft äußerte sich nicht. Hohe Strompreise und lange Wartezeiten auf Netzanschlüsse gelten seit langem als große Hürde für den Bau von KI-Infrastruktur in Großbritannien: Im April setzte OpenAI seine Pläne für eine Stargate-Anlage mit Nscale in Tyneside mit Verweis auf die hohen britischen Strompreise aus. Im Compute-Geschäft hat die Stromwette hinter KI-Rechenzentren das Spiel schon einmal verändert – diesmal entscheidet eine Netz-Warteschlange direkt über Leben und Tod eines Projekts.
Der Ausstieg trifft mehr als einen Standort
Microsoft ist einer der beiden größten Kunden von Nscale, und seine Rückendeckung war das härteste Glaubwürdigkeitssignal des Projekts in Loughton. Sie war zugleich Teil der 22 Milliarden Pfund an britischen Investitionen, die Microsoft im vergangenen Jahr während Donald Trumps Staatsbesuch zugesagt hatte, und Regierungsmitglieder hatten das Projekt als Sinnbild der britischen KI-Ambitionen beworben. Dass das Aushängeschild zuerst seinen Ankermieter verliert, trifft weniger diesen einen Campus als Nscales Börsenpläne: Das Unternehmen strebt eine Notierung an der Wall Street mit einer Bewertung von bis zu 35 Milliarden US-Dollar (etwa 26 Milliarden Pfund) an – ausgerechnet nach einer Woche, in der KI-Compute-Aktien abverkauft wurden und Anleger schuldenfinanzierte Rechenzentrumsmodelle kritischer sehen. Nscale wurde vor zwei Jahren vom australischen Unternehmer Josh Payne gegründet und steht in der Kritik, große Verträge zu unterschreiben, ohne eine nennenswerte Bilanz im Rechenzentrumsbau vorweisen zu können; erst wenige Tage zuvor hatte Nvidia-Chef Jensen Huang das Unternehmen bei einer Veranstaltung in London gelobt, es könne das wertvollste britische Startup des letzten Jahrzehnts werden. Lob und Kündigung in derselben Woche zeigen, wie viel schneller sich die Bewertungsstory bewegt als das Stromnetz.
Entscheidend ist nun nicht, ob Microsoft zurückkehrt, sondern ob Nscale für Loughton Ersatzstrom und einen Ersatzmieter findet und ob sich der Börsenzeitplan verschiebt. Für die gesamte Branche ist die Lehre direkter: Der Engpass bei KI-Rechenzentren hat sich von nicht kaufbaren Chips zu Strom verschoben, der nicht rechtzeitig angeschlossen werden kann. Nur wessen Campus Strom nachweislich pünktlich liefert, dessen Verträge zählen wirklich.