Die Exportkontrolle für Nvidias H200-Chips steht infrage. Am 7. November 2026 berichtete The Verge unter Berufung auf eine Recherche der New York Times, dass die US-Regierung den Verkauf von Nvidia-H200-KI-Chips an chinesische Unternehmen genehmigt, die mit Firmen auf schwarzen Listen verbunden sind — und dass das Büro eines der zugelassenen Käufer leer steht. Dem Bericht zufolge handelt es sich nicht um einen Einzelfall, sondern um ein Muster, das auf mögliche Lücken bei der Sorgfaltsprüfung im US-Handelsministerium und bei Nvidia hindeutet.
Ein leeres Büro und ein Gesellschafter auf der schwarzen Liste
Eines der im Bericht genannten Unternehmen ist New Matrix. Reporter vor Ort fanden ein leeres Büro vor, von der Decke hingen Kabel dort, wo Lampen sein sollten. Im Firmenverzeichnis des Gebäudes taucht das Unternehmen nicht auf, und die Verwaltung des benachbarten Gewerbegebiets erklärte, keine Unterlagen dazu zu haben. Die Firma wurde erst vor etwa 17 Monaten gegründet und ist online kaum zu finden. Ihr Eigentümer ist mit einer chinesischen Private-Equity-Gesellschaft verbunden, die seit 2024 auf einer schwarzen Liste der US-Regierung steht. Solche Genehmigungen seien keine Ausnahme, so die Recherche: Unternehmen mit Verbindungen zu Organisationen, die nationalen Sicherheitsbeschränkungen im Handel unterliegen, erhalten weiterhin Kaufgenehmigungen für Nvidia-Chips.
Die Kontrollen bestehen, doch die Prüfung soll locker sein
Der H200 ist Nvidias wichtigster Chip für KI-Training und Inferenz und ein zentrales Ziel der US-Chipkontrollen gegenüber China. Unter der Regierung Biden beschränkten die USA den Verkauf solcher Chips nach China; die Regierung Trump lockerte die Beschränkungen später unter der Bedingung, dass Nvidia 15 Prozent der betreffenden China-Umsätze an die US-Regierung abführt. Nvidia-Chef Jensen Huang hatte dafür intensiv lobbyiert. Während die Regeln gelockert wurden, haben die Standards für die Prüfung der Käufer offenbar nicht Schritt gehalten — der Widerspruch, auf den die Recherche zielt.
Die unmittelbaren Folgen betreffen zwei Stellen. Erstens die Glaubwürdigkeit der Exportprüfung des Handelsministeriums: Wenn schon ein Unternehmen ohne Büro eine Genehmigung erhält, stellt sich die Frage nach der tatsächlichen Bindungskraft der schwarzen Listen. Zweitens Nvidias eigenes Compliance-Risiko: Sobald Chips über verbundene Käufer weitergegeben werden, lässt sich ihr Weg zu beschränkten Empfängern kaum noch nachverfolgen. Ein Unterschied ist allerdings wichtig: Bislang belegt die Recherche eine Kaufgenehmigung — nicht, dass Chips bereits bei einem gelisteten Unternehmen angekommen sind. Insgesamt ziehen die USA bei KI die Durchsetzung und Aufsicht weiter an: Das Justizministerium hat in diesem Monat eine Taskforce für Superintelligenz eingerichtet, die sich auf KI-Betrug und ausländischen Missbrauch konzentriert. Die in der Exportprüfung aufgezeigten Lücken stehen im Kontrast zu dieser Verschärfung.
Zwei Fragen sind nun entscheidend: ob das Handelsministerium diese Genehmigungen überprüft und die Zulassungsstandards für verbundene Unternehmen verschärft, und ob Nvidia sich zu seinem eigenen Verfahren der Kundenprüfung äußert. Die Recherche der New York Times läuft weiter; die Antworten des Ministeriums und von Nvidia werden entscheiden, ob die Sache eine Einzelfrage bleibt oder zu einer breiteren Überprüfung der Durchsetzung der Exportkontrollen wird.