Ein ehemaliger OpenAI-Ingenieur wird beschuldigt, ein Abhörgerät in einem Besprechungsraum des Unternehmens angebracht zu haben, und am 19. Oktober 2026 ordnete ein US-Bundesgericht an, dass er während des Verfahrens in Haft bleibt. Ars Technica berichtete an diesem Tag unter Berufung auf Gerichtsakten: Die Bundesanwaltschaft hatte in einer Eingabe vom 18. Oktober argumentiert, der Angeklagte Abdulrahman Alfozan habe jeden Anreiz und die Mittel zur Flucht; Friedensrichter Alex G. Tse folgte dieser Auffassung in der Anhörung am Montag und lehnte eine Freilassung ab. Vorab: Es handelt sich um Vorwürfe, nicht um ein Urteil.
Die von der Anklage vorgelegte Beweiskette
Nach den Akten entdeckte OpenAI etwa zwei Wochen vor Alfozans Flugbuchung ein in einem Besprechungsraum verstecktes Aufnahmegerät; es war mindestens mehrere Tage an Ort und Stelle, auch während einer hochsensiblen Besprechung mit US-Regierungsvertretern in eben diesem Raum. In der Klageschrift heißt es, Alfozan habe OpenAIs eigenen Produktivitätsagenten genutzt, um zu recherchieren, welche Besprechungsräume sich am besten ausnutzen ließen, und über das ChatGPT-Konto seiner Frau nachgelesen, wie man ein verdecktes Aufnahmegerät so umbaut, dass es bei Stimmgeräuschen automatisch aufzeichnet und sich fernsteuern lässt. Nach der Durchsuchung seiner Wohnung erklärte das FBI, dort ein dem Bürogerät ähnliches Aufnahmegerät gefunden zu haben; auf seinem iPhone sollen sich Fotos eines weiteren verdeckten Geräts, Fotos von Anschlussfeldern elektronischer Geräte im OpenAI-Gebäude – darunter ein weiterer sensibler Besprechungsraum – sowie ein Ordner namens Saudi Gov Docs befunden haben, den er am 4. Oktober geöffnet hatte; der Inhalt des Ordners wurde nicht veröffentlicht. Die Anklage verweist zudem auf WhatsApp-Protokolle, wonach ein Mitglied der saudischen Königsfamilie seit 2025 mit ihm in Kontakt stand und ihm sinngemäß schrieb, Saudi-Arabien brauche ihn mehr als die USA, worauf er mit 100 antwortete.
Warum das Gericht Fluchtgefahr sieht
Die Anklage sagt, Alfozan habe ein von der saudischen Regierung bezahltes One-Way-Ticket nach Riad gebucht; das FBI habe ihn wenige Tage vor Abflug festgenommen und seinen saudischen Pass eingezogen. Nach seiner Festnahme hätten seine Frau und sein Sohn auf einen früheren Flug umgebucht und die USA verlassen; ihr One-Way-Ticket der Business Class nach Doha sei nach Darstellung der Anklage von einem Angehörigen des saudischen Militärs gebucht und bezahlt worden. Alfozan ist saudischer Staatsangehöriger mit unbefristeter US-Aufenthaltserlaubnis, zog 2009 in die USA, erwarb technische Abschlüsse am MIT und an der UC Berkeley, arbeitete über ein Jahrzehnt im Silicon Valley und trat um Juli 2025 bei OpenAI ein. Ihm wird derzeit das illegale Aufzeichnen von OpenAI-Besprechungen zur Last gelegt, worauf bis zu fünf Jahre Haft stehen; die Anklage stellt bei wachsender Beweislage schwerere Vorwürfe in Aussicht. Der Bericht von Ars Technica enthielt keine direkte Stellungnahme von OpenAI.
Frontier-Labore müssen Innentäter mitdenken
Die Schärfe dieses Falls liegt nicht in der Abhörtechnik, sondern im Werkzeug: Die Ausspähung soll ausgerechnet mit dem hauseigenen Produktivitätsagenten und ChatGPT erfolgt sein. KI-Werkzeuge, die an interne Informationen kommen und zugleich erklären, wie etwas geht, werden zu einem neuen Kanal für Innentäter. Für Frontier-Labore muss eine Raumprüfung künftig neben den Wandecken auch die Agentenprotokolle umfassen: Wer fragt, welche Räume welche Besprechungen beherbergen, und wer den Umbau von Aufnahmegeräten recherchiert, sendet Warnsignale. Das ist die Kehrseite des auf dieser Seite behandelten KI-Agenten-Hackers, der in über 100 Websites einbrach: Agenten können für externe Angreifer unermüdlich sondieren – und ebenso leise die Ausspähung eines Insiders beschleunigen. Wie der Fall weitergeht, hängt davon ab, ob die Anklage das behauptete Motiv, für die saudische Regierung gehandelt zu haben, belegen kann; sie räumt selbst ein, dass sich am strafbaren Charakter der angeblichen Verwanzung auch ohne diesen Nachweis nichts ändert.