Die von Anthropic am 16. Oktober 2026 über das Anthropic Institute veröffentlichte Studie zur Erwartungslücke stellte dieselben Fragen an 10.980 US-Erwachsene und an die eigenen Mitarbeitenden. Was KI heute kann, beurteilen beide Gruppen ähnlich; wie weit sie bis 2030 kommt, sehen sie sehr unterschiedlich. Bei einer Entdeckung auf Nobelpreisniveau erwarten 91 % der Mitarbeitenden, dass KI sie vor 2030 schafft, in der Öffentlichkeit sind es 39 %, und ein beträchtlicher Teil der Erwachsenen antwortete: niemals.
Am weitesten auseinander liegen die Einschätzungen zum eigenen Job
Gefragt, welchen Anteil der eigenen Arbeit KI bis 2030 übernehmen könnte, nannten Mitarbeitende im Schnitt 75 %, US-Erwerbstätige 28 %. Mehr als die Hälfte der Mitarbeitenden geht von mindestens 80 % aus, bei den erwerbstätigen Erwachsenen sind es nur 5 %. Auch die erlebte Zeitersparnis klafft auseinander: 59 % der Mitarbeitenden sagen, eine KI-geeignete Aufgabe dauere mit KI höchstens ein Viertel der Zeit; bei Erwachsenen, die KI beruflich nutzen, sind es 26 %, und 29 % von ihnen sehen gar keine Ersparnis oder sogar Mehraufwand.
Durch das ökonomische Szenariomodell von Anthropic gerechnet, ergeben die Medianantworten für 2030 ein US-BIP-Wachstum von 17,1 % bei den Mitarbeitenden und 5,4 % in der Öffentlichkeit. Der Streit dreht sich dabei weniger um unterschiedliche Vorstellungen von Arbeitslosigkeit: In beiden Gruppen steigt die Arbeitslosenprognose für 2030 mit dem erwarteten eigenen Automatisierungsgrad, und wer erwartet, dass KI 80 % oder mehr der eigenen Arbeit übernimmt, prognostiziert im Schnitt 12,2 % Arbeitslosigkeit.
Die Mitarbeitenden sind keine bloßen Optimisten
Obwohl sie erwarten, dass der Großteil ihrer Aufgaben automatisiert wird, rechnen 95 % der Mitarbeitenden damit, dass die Belegschaft im kommenden Jahr weiter wächst, im Median um 66 %. Aufgabenautomatisierung und Stellenabbau sind für sie getrennte Prognosen. Pessimistischer sind sie bei der Wiederbeschäftigung: Wer 2030 durch KI seinen Job verliert und den Beruf wechseln muss, brauche im Schnitt zwölf Monate für eine neue Stelle.
Auch die von der Öffentlichkeit genannten Hürden sind aufschlussreich: Am häufigsten hieß es, Kunden sprächen lieber mit einem Menschen, gefolgt von Datenschutz und Sicherheit, mangelnder Zuverlässigkeit sowie Regeln und Haftung. Was die Verbreitung von KI in den nächsten Jahren bremst, könnte weniger die Modellleistung sein als Vertrauen und Verantwortungsregeln. Wie unser früherer Bericht über Anthropic's interne Agenten, die die Belegschaft bereits sechs zu eins überzählen, zeigt, extrapolieren Mitarbeitende aus Werkzeugen, die sie täglich nutzen. Als Verbreitungskarte gelesen, legt die Studie nahe, dass Entwicklungen in frontier-nahen Berufen andere Branchen einige Jahre später und abgeschwächt erreichen.