Dieser AI-Kurzbericht zum 4. Oktober fasst sechs Meldungen vom 3. und 4. Oktober 2026 zusammen: NASA und IBM haben aus 17 Jahren Mondbeobachtung ein offenes Foundation-Modell gemacht, Microsoft und Hugging Face haben die Bewertung von Agenten umgestellt, AWS hat seine Geheimhaltungspraxis im Streit um Rechenzentren geändert, dazu kommen Produktmeldungen von Capcom, Kling AI und Anthropic. Jeder Punkt wurde an der Originalquelle und am Veröffentlichungszeitpunkt geprüft.
NASA und IBM öffnen ein Mond-Foundation-Modell: 17 Jahre Beobachtungsdaten auf einmal für Machine Learning
The Decoder berichtete am 4. Oktober, dass NASA und IBM Research gemeinsam mit mehreren akademischen Einrichtungen das NASA-IBM Lunar Foundation Model veröffentlicht haben. Das Team bezeichnet es als eines der ersten Open-Source-Foundation-Modelle für die Mondforschung. Der Trainingskorpus SomBench gilt als der bislang größte koregistrierte multimodale Monddatensatz: knapp 2 Millionen Kachelbündel in 11 Modalitäten und zwei räumlichen Maßstäben, darunter rund 1 Million hochauflösende Bilder der Narrow Angle Camera des Lunar Reconnaissance Orbiter mit etwa 1 Meter pro Pixel, gespeist aus 17 Jahren Beobachtung dieses Orbiters. Das Modell basiert auf der TerraMind-Architektur, wurde aber von Grund auf trainiert und erhält Abbildungsgeometrie wie Beleuchtungswinkel und Sonnenstand als expliziten Input. Bei der Vorhersage polarer Eisablagerungen senkte es den Fehler gegenüber der besten Baseline SwinV2-B um bis zu 22 Prozent; bei der groben Kratererkennung lag es mit nur der Hälfte der Trainingsdaten fast 19 Prozent vorn. Die Grenzen stehen ausdrücklich dabei: In Generierungstests lagen Breiten- und Längengrade um Dutzende Grad daneben, zur absoluten Positionsbestimmung taugt es nicht. Das Modell liegt auf Hugging Face, Code und Begleitdatensätze sind ebenfalls offen.
Microsofts ThinkingBox ist da: Der Agent sagt „fertig“, die Datenbank entscheidet
Microsoft und Hugging Face haben ThinkingBox am 3. Oktober im offiziellen Hugging-Face-Blog vorgestellt: 507 zustandsbehaftete Geschäfts-Workflows, jede Aufgabe läuft pro Modell 20-mal, und benotet wird nicht die Schlusssnachricht des Agenten, sondern der Endzustand samt Nebenwirkungen in der Backend-Datenbank. Ausführbar ist das Ganze ab sofort über OpenEnv auf Hugging Face. Die ersten Ergebnisse sind ernüchternd: Von 121.680 gültigen Versuchen aus 12 Modellen fielen 79.853 durch die ausführbaren Prüfungen, und 67,24 Prozent dieser Fehler endeten trotzdem sauber, mit wohlgeformten Tool-Aufrufen und einem selbstsicheren „erledigt“. Die höchste Einzelversuch-Quote erreicht Claude Opus 5.5 mit 67,16 Prozent. Kimi-K3 löst am breitesten, 93,89 Prozent der Aufgaben mindestens einmal, besteht aber nur 13,41 Prozent in allen 20 Läufen. Rund vier von fünf Fehlern sind Werkzeugprobleme, keine Denkprobleme. Für Teams, die Unternehmens-Agenten ausliefern, bleibt der Maßstab: Einmal schaffen ist keine Lieferung, zwanzigmal am Stück ist sie.
AWS beendet NDAs für Rechenzentren und verspricht Gastgemeinden 1 Milliarde Dollar
TechCrunch berichtete am 3. Oktober, AWS-Chef Matt Garman habe in einem offiziellen Blogbeitrag erklärt, das Unternehmen habe aufgehört, bei Genehmigungen für neue Rechenzentren Geheimhaltungsvereinbarungen (NDAs) mit Behörden abzuschließen. Transparenz war zuvor der größte Beschwerdepunkt der Anwohner: Projekte tauchten erst auf, wenn die Genehmigungen durch waren, und Amtsträger hatten längst NDAs unterschrieben, bevor die Nachbarn etwas erfuhren. New York hat eine einjährige Pause für Genehmigungen großer Rechenzentren angekündigt, und Garman zufolge werden landesweit mehr als 100 ähnliche Moratorien geprüft. Zugleich kündigte er das Programm Built Together an: über 1 Milliarde Dollar in fünf Jahren für die Standortgemeinden, für kostenlose Community-College-Kurse, Berufsausbildung und Energieeffizienz an Schulen und Wohnhäusern. AWS ist der erste Hyperscaler, der „keine NDAs mehr“ öffentlich zusagt; ob die anderen folgen, ist die Geschichte der nächsten Monate.
Capcom stellt das REX-Projekt vor: Die RE Engine wird zur Engine, mit der man „gemeinsam mit AI“ Spiele baut
The Verge berichtete am 3. Oktober, Capcom habe das REX-Projekt am 2. Oktober auf der Technikkonferenz CAPCOM Open Conference RE:2026 vorgestellt, im Vortrag des Programmierers Satoshi Ishida: ein mehrstufiger Umbau der hauseigenen RE Engine mit dem Fernziel einer „Game Engine der AI-Generation“, in der AI Engine-Code verstehen, beim Schreiben helfen und Builds im Playtest auf Bugs abklopfen kann. Die RE Engine trägt seit Resident Evil 7 (2017) mehr als 27 Titel und wird täglich von über 2.000 Entwicklern genutzt; der Umbau zielt auf Entwicklungseffizienz, Spielperformance, Werkzeuge und Qualitätssicherung. Capcom zog zugleich eine Grenze: AI-generierte Assets kommen nicht in fertige Spiele, AI dient nur der Entwicklungseffizienz. Der Gegenwind aus der Spielerschaft hat bereits begonnen, und gestritten wird weniger über die Werkzeuge als darüber, wie weit „gemeinsam mit AI Spiele schaffen“ reichen soll.
Kling AI kündigt Kling 4.0 an: Am 6. Oktober geht es erst zur Advertising Week nach New York
Kling AI kündigte am 4. Oktober über seinen offiziellen WeChat-Account und seine Auslandskanäle an, am 6. Oktober bei der Advertising Week New York 2026 aufzutreten. In der Runde „The New Production Engine: Powering Creativity at Scale with Kling AI“ diskutieren WPPs Director für AI-Strategie und Innovation, Mathieu Albrand, sowie Adobes Verantwortliche für Unternehmenspartnerschaften, Elissa Levine, wie AI-Video in Unternehmens-Workflows einzieht und Content-Produktion im großen Maßstab stützt. Kling 4.0 ist ausdrücklich als „in Kürze“ angekündigt, Datum und Spezifikationen gab es am 4. Oktober nicht. Für Marken und Agenturen kommt das Signal vor den Daten: Vor seinem nächsten Modell wirbt Kling zuerst um die Köpfe der Unternehmenskunden.
Anthropic fragt nach Sprachdaten: Nur wer zustimmt, dessen Daten trainieren mit
Am 4. Oktober zeigte Testing Catalog, das unveröffentlichte Funktionen verfolgt, einen neuen Hinweis in der Claude-App: Anthropic fragt Nutzer, ob sie ihre Sprachgespräche freiwillig zur Verbesserung der Modelle teilen möchten. Dem Hinweis zufolge helfen Audioaufnahmen und Sprachchat-Daten dabei, zu verbessern, wie Anthropics AI-Modelle Sprache verstehen und beantworten; die Einstellung lässt sich jederzeit abschalten und die Daten lassen sich löschen. Das ist eine Einwilligung pro Nutzer, keine Standardsammlung. Seit der Sprachmodus bei allen Assistenten Standard wird, wird die Frage, womit er trainiert werden darf, zu einer, die man laut stellen muss. Wer den Hinweis sieht, entscheidet selbst, in beide Richtungen.
Der Termin der Woche ist der 6. Oktober, wenn Kling in New York auf die Bühne geht: Bekommt Kling 4.0 dort ein Veröffentlichungsdatum, setzt das den Takt für diese Runde des AI-Videowettbewerbs.