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IMDEA-Studie: Neun KI-Chat-Apps geben Gesprächsthemen und Prompts an Dritte weiter

IMDEA-Studie: Neun KI-Chat-Apps geben Gesprächsthemen und Prompts an Dritte weiter

KI-Informationen • Admin • • 8 Aufrufe

Am 29. September 2026 hat das Forschungsteam des spanischen IMDEA Networks eine systematische Privatsphäre-Analyse veröffentlicht: "Prompt like a Butterfly, Sting like a Tracker". Die Web- und Mobilclients von neun populären Conversational-AI-Diensten – ChatGPT, Claude, Grok, DeepSeek, Gemini, Perplexity, Copilot, Mistral und Meta AI – wurden statisch und dynamisch untersucht. Das Ergebnis ist deutlich: Mehrere Anbieter geben aus Gesprächen erzeugte Titel, Prompts und sogar Screenshots an Werbe- und Tracking-Dienste Dritter weiter – zusammen mit persistenten Identifikatoren wie Werbe-IDs, gehashten E-Mail-Adressen und Tracking-Cookies.

Vier Befunde der Studie

Erstens: Die Reichweite ist größer als gedacht. Die Studie beobachtete 124 Drittanbieter-Domains, die 44 Organisationen zugeordnet wurden – 34 davon sind Werbe- und Tracking-Dienste; fast jeder getestete Dienst kontaktiert mindestens einen Drittanbieter-Tracker. Zweitens: Es werden nicht nur Metadaten weitergegeben. "Gesprächsderivate" wie Titel, Prompts und Screenshots gehen an Dritte, häufig zusammen mit persistenten Identifikatoren, die Gespräche langfristig Nutzerprofilen zuordnen können. Drittens: Cookie-Einwilligungsdialoge und kostenpflichtige Abos bieten nur begrenzten Schutz – die Weitergabe läuft weiter, egal ob man zugestimmt oder bezahlt hat. Viertens: Die Share-Links mancher Anbieter sind standardmäßig öffentlich und ohne Zugriffskontrolle; mit "Canary Tokens" bestätigten die Forscher, dass geteilte Gespräche anschließend tatsächlich von verteilter Drittanbieter-Infrastruktur abgerufen wurden.

Warum diese Forschung gerade jetzt erscheint

Der Hintergrund: Große Modellanbieter machen Werbung zum neuen Geschäftsmodell. Die Studie zitiert Reuters, wonach OpenAI Anfang 2026 mit dem Ad-Tech-Unternehmen Criteo kooperierte, um Werbung für kostenlose ChatGPT-Nutzer in den USA zu testen. Sobald das Chatfenster Werbung einblendet, folgt die klassische Tracking-Infrastruktur des Internets zwangsläufig in die Konversation. Die Forscher bewerteten die Praktiken auch im Rahmen der DSGVO und der ePrivacy-Richtlinie und führten eine verantwortungsvolle Offenlegung gegenüber den betroffenen Anbietern und den europäischen Datenschutzbehörden durch.

Was das für normale Nutzer bedeutet

Die Grundannahme muss sich ändern: Chatverläufe sind nicht "nur zwischen dir und der KI bekannt" – bei manchen Diensten fließen Titel und Prompts ins Werbe-Ökosystem, also Vorsicht bei sensiblen Gesprächen über Gesundheit, Gehalt oder Geschäftspläne. Zweitens: Share-Links mit Bedacht behandeln – ein öffentlicher Permalink kann von Trackern komplett ausgelesen werden, also vor dem Teilen die Linkberechtigungen prüfen. Drittens: Bezahlen kauft keine Privatsphäre-Ausnahme – die Studie stellt klar, dass Abo-Stufen nur begrenzten Schutz bieten. Ähnliche Streitigkeiten um Chatverlaufs-Privatsphäre gab es schon früher: Sobald Gesprächsdaten zum Vermögenswert werden, konkurrieren nicht nur Modellanbieter darum.

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